Monday, January 16, 2012

Ohne Zweifel hätte Lenin auch die “Occupy Wall Street”-Bewegung, die ein paar Monate lang in Manhattan kampierte, als “kleinbürgerlich anarchistisch” beschimpft - und in gewisser Hinsicht hätte er damit vollkommen recht gehabt.

Wenn man alle Spinner, alle antisemitischen Verschwörungsidioten und alle Tagediebe abzieht - freilich muss man dann eine ganze Menge subtrahieren! -, so bleibt ein harter Kern von Leuten übrig, die Wut auf Banker hatten, weil die gerade nicht nach kapitalistischen Regeln spielten (sondern sich dreist vom Staat herauspauken ließen); die einen fairen Deal für die dahinschmelzende amerikanische Mittelschicht wünschten; die sich vor allem darüber ärgerten, dass der Kapitalismus unserer Tage seine Kapitalisten so schlecht behandelt.

Anders gesagt: Die “Occupy Wall Street”-Bewegung in Manhattan hatte einen Kern, der alles andere als links war, sondern eher (im amerikanischen Sinn) äußerst konservativ. Einen Kern, der Kapitalismus mit “guten Sitten” assoziiert. Mit “pacta sunt servanda”. Mit der amerikanischen Kleinstadt. Mit nachbarschaftlichen Beziehungen.

Welt am Sonntag

Notes